Grestenberger, Laura
ERC Consolidator Grant für das Forschungsprojekt EVOCAT
Zum Projekt
Das ERC Consolidator-Projekt EVOCAT (The Evolution of Morphosyntactic Categorization) unter der Leitung von Laura Grestenberger widmet sich einer grundlegenden Frage der Sprach- und Kognitionswissenschaft: Wie entstehen grammatische Kategorien wie „Verb“ oder „Substantiv“ – und wie verändern sie sich über Jahrhunderte und Jahrtausende?
Sprachliche Kategorien sind kognitive Werkzeuge, mit denen wir unsere Welt strukturieren und kommunizieren. Zentral dabei sind sogenannte Kategorisierer – kleine, oft übersehene Bausteine der menschlichen Sprache wie z.B. Suffixe, die anzeigen, zu welcher Wortart ein Ausdruck gehört; im Deutschen z.B. -ig wie in feur-ig, das anzeigt, dass etwas ein Adjektiv ist. EVOCAT untersucht, wie sich diese Kategorisierer im Laufe der Sprachgeschichte entwickeln und welche Gesetzmäßigkeiten dabei wirken. Im Fokus des Projekts stehen insbesondere alte indogermanische Sprachen wie Sanskrit, Altgriechisch und Latein sowie deren moderne Fortsetzer. Auf Basis großer digitaler Textkorpora soll eine umfangreiche Datenbank morphologischer Strukturen, die Kategorien markieren, erstellt werden. Ziel ist es, systematische, möglicherweise universelle Muster im Wandel dieser Strukturen zu identifizieren – mit Rückwirkungen auf Theorien des Sprachwandels, der Sprachrekonstruktion und der menschlichen Kognition.
Die zentrale Forschungshypothese ist, dass sich Kategorisierer generell direktional, also in eine bestimmte Richtung entwickeln – etwa vom Substantiv- zum Verbmarker –, was neue Möglichkeiten für die Rekonstruktion von Sprachstammbäumen eröffnet. Zudem vergleicht das Projekt diese Prozesse mit ähnlichen Phänomenen in nicht-indogermanischen Sprachen, um die Gültigkeit der Hypothesen zu testen.
EVOCAT verbindet modernste linguistische Theorien mit traditionellen sowie digitalen philologischen Methoden und erschließt neue Wege zur Beantwortung der Frage, wie Sprache im Gehirn verarbeitet und über Generationen weitergeben wird. Die Ergebnisse des Projekts versprechen weitreichende Impulse nicht nur für die Sprachwissenschaft, sondern auch für angrenzende Disziplinen wie Kognitionsforschung, Psychologie und Philosophie.